Berlin, im Jahr 2009. Laurette Markus läuft ihren ersten Marathon. Was für eine Freude, was für ein Stolz! Bei Kilometer 30 hat sie ein komisches Gefühl in den Beinen. Sie kämpft sich auf Biegen und Brechen bis zum Ziel durch und vergisst den Zwischenfall dank ihrer tollen Leistung bald wieder. Ein paar Tage später hat sie wieder Schmerzen und eine gestörte Wärmeempfindung, und diese Symptome werden immer schlimmer. Die Diagnose trifft sie wie ein Schlag: Laurette leidet an Multiple Sklerose. Es ist schwer zu begreifen für sie, wo sie doch gerade erst ihren ersten Marathon bewältigt hat. Trotz allem und durch die Unterstützung ihres Neurologen, hängt die Genferin ihre Laufschuhe nicht an den Nagel. Sie macht mit dem Sport weiter und träumt von weiteren Marathons.

Mittlerweile hat Laurette viele Kilometer hinter sich. Sie hat bereits mehrere Marathons, Halbmarathons und Bergläufe geschafft. Die MS-Patientin schätzt sich glücklich und geniesst jeden Schritt, jeden Kilometer. Denn auch wenn diese chronische degenerative und häufig zur Invalidität führende Krankheit jahrelang latent bleiben kann – niemand weiss, wann sie sich manifestiert und wie sie verlaufen wird. Multiple Sklerose hat nämlich tausend Gesichter.

Es ist wichtig, in Bewegung zu bleiben.

Seit 2012, als Laurette sich auf den New York Marathon vorbereitete, ist sie Botschafterin des Projekts "Sport für MS". Sie betont, wie wichtig es ist, in Bewegung zu bleiben. Eine Bewegung, die sich natürlich im Sport ausdrücken kann, die aber auch ein einfaches Zugehen auf andere, eine symbolische Bewegung hin zum Leben sein kann. Für sie ist das Wichtigste, ihre sozialen Kontakte zu pflegen, damit die Fatigue, die Vereinsamung und die Depression nicht die Oberhand gewinnen. In Bewegung zu bleiben, um die Zuversicht nicht zu verlieren und nicht zu vergessen, dass der Rollstuhl kein unausweichliches Schicksal ist. Multiple Sklerose kann so viele Formen annehmen wie Menschen betroffen sind. In der Schweiz gibt es zurzeit zwischen zehn- und zwölftausend Menschen mit MS, die meisten davon Frauen, doch die genaue Zahl ist unklar.

Laurette vermag Marathon zu laufen, doch manchen anderen Betroffenen ist dieses Glück nicht vergönnt. Sie ist sich bewusst, dass sie für viele andere ein Hoffnungsträger ist. Doch jeder muss den eigenen Rhythmus entsprechend seinen eigenen Möglichkeiten finden, damit jeder Schritt, auch symbolisch, ein strahlender Sieg sein kann.

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Laurette Markus beim Sierre-Zinal-Lauf 2012.

Quelle: Für Odprod – Journaliste RP – Vicky de Paola